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Lesen und Schreiben lernen am Telefon

News Lesen und Schreiben lernen am Telefon

Ehrenamtliche Lernbegleiter/-innen fördern gesellschaftliche Teilhabe Erwachsener. Ein Bericht aus der Praxis.

„Ist heute immer noch Sonntag?“ – der Sohn von Uta kann nicht verstehen, warum in den letzten Wochen alles ganz anders ist als zuvor. Der Kindergarten hat geschlossen und seine Mama kann sich nicht wie gewohnt am Vormittag mit ihrer ehrenamtlichen Lernbegleiterin treffen, um das Lesen und Schreiben zu üben.

Statt sich persönlich mit ihrer ehrenamtlichen Lernbegleiterin Inge zu treffen, läuft das Lernen nun über das Telefon – denn aktuell lassen die Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie die persönlichen Lerntreffen nicht zu.

„Das Angebot am Telefon zu lernen, hat mich sehr neugierig gemacht – das wollte ich gerne ausprobieren“ erzählt Uta. Denn Uta gehört zu den 7,5 Millionen Menschen in Deutschland, die gar nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben können. „Weil meine Familie häufig umziehen musste, habe ich als Kind in der Schule nie richtig lesen und schreiben gelernt. Als junge Frau habe ich es mir dann – mehr schlecht als recht - selbst beigebracht,“ erzählt die 35-jährige Mutter. „Da habe ich noch große Unsicherheiten, wie Worte geschrieben werden und welche Rechtschreibregeln ich anwenden muss.

Uta telefoniert nun zweimal wöchentlich mit Inge. Die 56-jährige ehrenamtliche Lernbegleiterin ist gelernte Buchhändlerin. Ein Leben ohne ihre liebste Freizeitbeschäftigung – das Lesen – kann sich Inge kaum vorstellen. Über das Projekt 1zu1Basics, welches ehrenamtliche Lernbegleiter mit lerninteressierten Erwachsen zusammenbringt, las sie in der Zeitung. „Ich wollte anderen vermitteln, wieviel Spaß Lesen macht,“ erzählt Inge und fügt hinzu „mein großes Ziel ist es, dass nicht nur Uta sondern auch ihr Sohn bald zum Vergnügen Bücher lesen und es nicht nur als lästige Pflicht sehen.

Für das heutige Lerntreffen haben sich Uta und Inge einen Text zum Thema „Angst“ in einfacher Sprache vorgenommen. Uta liest vor und Inge hilft, wenn es bei einem Wort hakt. Anschließend überlegen die beiden gemeinsam, welche Worte im Text großgeschrieben sind und warum. „Da wird auch mal gelacht über Fehler,“ erzählt Lernbegleiterin Inge und Uta ergänzt: „Lehrpersonen habe ich immer als strenge, ernste Menschen in Erinnerungen gehabt – das hat sich durch Inge geändert.

Uta schreibt zum Abschluss noch zwei Sätze zum Thema des Textes. Sie wird das Geschriebene per Post an Inge zur Korrektur schicken. Auf dem Blatt steht: „Viele sind einsam. Hoffentlich ist Corona bald vorbei."

Sie können sich vorstellen, Erwachsene beim Lesen und Schreiben üben zu unterstützen, bringen Geduld und gute schriftsprachliche Deutschkenntnisse mit, und Sie arbeiten gerne mit Menschen zusammen?

Wer Lust hat, das Lesen und Schreiben mit Unterstützung durch eine/n ehrenamtliche/n Lernbegleiter/-in zu verbessern oder wer als ehrenamtliche Lernbegleitung Erwachsene beim Erwerb der Schriftsprache unterstützen möchte, kann sich bei der VHS Frankfurt melden.

Kontakt

Daniela Glück-Grasmann, Volkshochschule Frankfurt a.M.
Telefon: 069 212-48405
E-Mail: daniela.glueck-grasmann.vhs@stadt-frankfurt.de

Das Projekt „1zu1Basics – Basisbildung für Alltag, Soziale Integration und Chancen“ bringt Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können mit ehrenamtlichen Lernbegleiter/-innen zusammen. Es ist Teil des Förderschwerpunkts „lebensweltlich orientierte Entwicklungsvorhaben in der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“ und wird mit Mitteln des BMBF unter dem Förderkennzeichen W1453LW gefördert.