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75 Jahre Arbeit und Leben

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75 Jahre Arbeitsgemeinschaft "Arbeit und Leben" von DGB und VHS Frankfurt / Rund 200 Gäste bei Empfang im Kaisersaal

"Menschen stärken, Vielfalt leben, Demokratie gestalten": Diese Worte stehen über dem Leitbild von „Arbeit und Leben“, dem gemeinsamen Bildungsangebot von Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und den Volkshochschulen (VHS). Im Herbst 1950 legte die Frankfurter Arbeitsgemeinschaft ihr erstes Programm vor. Bei einem Empfang im Kaisersaal blickte Oberbürgermeister Mike Josef am 3. Februar 2026 mit rund 200 Gästen auf 75 Jahre "Arbeit und Leben" in der Mainmetropole zurück.

"Das Leitbild von 'Arbeit und Leben' ist Tradition und Auftrag zugleich", sagte das Stadtoberhaupt in seiner Begrüßungsrede. "Demokratie braucht Augenhöhe. Das war und ist eine der Lektionen aus dem Scheitern der Weimarer Republik. Von Anfang an verband ‚Arbeit und Leben‘ das Versprechen vom sozialen Aufstieg durch Bildung mit dem von einem Mehr an Teilhabe – gesellschaftlich wie politisch."

In Frankfurt sei man sich der Bedeutung von Bildung für den demokratischen Neubeginn nach 1945 in besonderem Maße bewusst gewesen, so Josef. Dies habe auch mit Männern wie Carl Tesch zu tun, der als damaliger Direktor des Bunds für Volksbildung (Vorläufer der VHS) zu den Mitbegründern der Frankfurter Arbeitsgemeinschaft zählte.

"Tesch war Sozialdemokrat und Widerstandskämpfer", erinnerte der Oberbürgermeister. "Seine Mutter Johanna Tesch wurde im KZ Ravensbrück von den Nazis ermordet. ‚Wehret den Anfängen‘ war für ihn kein Satz, der in Sonntagsreden gehörte. Diesen Satz musste man leben."

Bildung als Schlüssel zu Teilhabe

Wie wichtig ist politische Bildungsarbeit heute, nicht zuletzt mit Blick auf das Wiedererstarken rassistischen und nationalistischen Gedankenguts? Eine der Fragen, der sich die Keynote von Prof. Stephan Lessenich widmete. Der Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung hob die Bedeutung niedrigschwelliger Angebote wie "Arbeit und Leben" hervor. Sie leisteten einen wichtigen Beitrag zu breiter gesellschaftlicher Partizipation.

Eine These, die auch die anschließende Debatte prägte. Auf dem Podium: Danijel Dejanović, Direktor der VHS Frankfurt, Nora Schrimpf, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft für politische Bildung und Philipp Jacks, Geschäftsführer der DGB-Region Frankfurt-Rhein-Main.

Sylvia Weber, Dezernentin für Bildung, Immobilien und Neues Bauen: "Die Veranstaltungen von Arbeit und Leben gehen von der Lebenswirklichkeit der Teilnehmenden aus. Was bedeuten politische Entscheidungen für mich ganz persönlich – und wie kann ich mitentscheiden und mit einbringen? Was kann ich tun für eine gerechte und solidarische Gesellschaft? Hier geben DGB und VHS seit 75 Jahren Antworten."

Dejanović: "Für mich steht die Zusammenarbeit von DGB und VHS in der Arbeitsgemeinschaft 'Arbeit und Leben' für den Aufbruch der Volksbildung nach dem Zweiten Weltkrieg insgesamt. Johannes Schneider und Alfred Knierim weisen in ihrem Grundlagenwerk 'Anfänge und Entwicklungstendenzen des Volkshochschulwesens nach dem 2. Weltkrieg' zu Recht darauf hin, dass das nach dem Ende der Nazi-Diktatur die Bildung des inneren Menschen zu einem Schwerpunkt wurde. Bildung als Schlüssel zu Partizipation und Emanzipation – das verbindet die programmatische Debatte dieser Zeit mit der Idee hinter 'Arbeit und Leben'."

Jacks: "Leicht zugängliche politische Bildung für Lohnabhängige ist elementarer Bestandteil einer mündigen und starken Demokratie. Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung für eine gefestigte Demokratie. Gute Löhne soziale Gerechtigkeit, gleiche Chancen, ein respektvolles Miteinander sind das Fundament einer echten Demokratie. Gleichberechtigung darf nicht nur auf dem Papier stehen, sie muss auch gelebt werden. Hierfür braucht es auch engagierte Bildungsarbeit mit Partner:innen außerhalb des gewerkschaftlichen Umfeld. Der Erfolg von 'Arbeit und Leben' zeigt, was wir gemeinsam erreichen können."

Podiumsgespräch während des Empfangs zu 75 Jahre Arbeit und Leben
Podiumsdiskussion mit (v.l.) Danijel Dejanović, Direktor der VHS Frankfurt, Nora Schrimpf, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft für politische Bildung „Arbeit und Leben“, und Philipp Jacks, Geschäftsführer des DGB Frankfurt

Empfang 75 Jahre Arbeit und Leben

Links: Oberbürgermeister Mike Josef begrüßt die Gäste des Empfangs. Rechts:  Renate Milrath von Arbeit und Leben (DGB/VHS), Danijel Dejanović, Direktor der VHS Frankfurt, Oberbürgermeister Mike Josef, Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner, Philipp Jacks, Geschäftsführer des DGB Frankfurt, Nora Schrimpf, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft für politische Bildung „Arbeit und Leben“, Prof. Stephan Lessenich, Direktor des Instituts für Sozialforschung, und Simon Merz von Arbeit und Leben (DGB/VHS)

Hintergrund Arbeit und Leben Frankfurt am Main

Die Arbeitsgemeinschaft "Arbeit und Leben" wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst auf lokaler Ebene als lokale Kooperationen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und den Volkshochschulen (VHS) gegründet – mit dem Ziel, die Stellung von Arbeitnehmenden in Gesellschaft und Beruf zu verbessern und demokratische Strukturen zu stärken.

"Arbeit und Leben Frankfurt am Main" startete im Herbstquartal 1950 mit einem umfangreichen Programm, das, so die Ankündigung, "allen Arbeitnehmern eine Weiterbildung für den Beruf und in allgemein wissenswerten Fragen für ein weiteres Vorwärtskommen" bieten sollte.

Schwerpunkt der ersten Jahre waren Angebote für Jugendliche, da diese in der Zeit des Nationalsozialismus sozialisiert – und indoktriniert – wurden. Ab den 1960er Jahren verschob sich der Fokus hin zu einer stärken Ausrichtung an der Lebenswelt von Arbeitnehmer:innen. Ein solidarisches und demokratische Miteinander war und ist dabei bis heute zentrales Querschnittsthema der politischen Bildungsarbeit.

Die Bildungsangebote von "Arbeit und Leben Frankfurt am Main" sind bewusst niedrigschwellig angelegt und umfassen Veranstaltungsreihen, Seminare und Bildungsurlaube. Mit wenigen Ausnahmen sind die Angebote entgeltfrei.

Mehr Informationen unter vhs.frankfurt.de/aul

Fotos: Holger Menzel, Copyright: Stadt Frankfurt am Main