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Seit 1890 Volksbildung in Frankfurt a.M.

1970 bis 1980

Alte Zöpfe gehören abgeschnitten

1970 stirbt der langjährige Leiter Carl Tesch. Auch wenn der Verlust schmerzt, sein Nachlass und seine Dokumentationen interessieren wenig. Viel Material aus der Geschichte des Frankfurter Bund für Volksbildung (FBfV) wird vernichtet. Man will Anderes, Neues, und sich von Althergebrachtem frei machen. Der Traum von einem modernen Hochhaus für die Volksbildung geht allerdings nicht in Erfüllung. 

Marxistische Theorie ist in dieser Zeit ein faszinierendes Reizthema, viele VHS-Kurse haben sie zum Thema, und auch am TAT studiert das Ensemble fleißig den Marxismus. Ziel ist ein Modelltheater mit kollektiver Leitung. Der als schwierig und launisch bekannte Rainer Werner Fassbinder wird im Herbst 1974 Leiter. Das finanziell angeschlagene TAT bringt er zwar wieder erfolgreich in die Schlagzeilen, seine Arbeits- und Lebensweise ist der FBfV-Verwaltung aber suspekt. Sein eigenes Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ kann er wegen Antisemitismusvorwürfen nicht zur Aufführung bringen. Er kündigt selbst beim FBfV, der anschließend versucht, dem TAT ein neues Image zu geben.

1970„Volkshochschulen werden zur kommunalen Pflichtaufgabe“
Das Hessische Volkshochschulgesetz tritt in Kraft: Volkshochschulen werden zur kommunalen Pflichtaufgabe erklärt und erhalten eine gesicherte ökonomische Basis. Damit die neuen Landesmittel allen Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern zu gute kommen, wird eine Kooperation von FBfV und Höchster Bund für Volksbildung geschlossen.
Das VHS-Angebot wird in Semestern (statt vormals Trimestern) geplant und es entstehen „Fachbereiche“, betreut durch pädagogische Mitarbeiter.
1972
Beginn von Erzieherinnenlehrgängen, die Hausfrauen und Müttern den beruflichen Wiedereinstieg erleichtern sollen. Die externe Erzieherinnenprüfung bekommt bundesweiten Modellcharakter.
Über 100.000 Ausländer sind im Bereich des Arbeitsamtes Frankfurt gemeldet. Die VHS schafft eine gesonderte Abteilung für Ausländer, in Deutschkursen wird nicht mehr nach Nationalität getrennt, sondern in heterogenen Gruppen unterrichtet.
1973
VHS und die Frankfurter Justizvollzugsanstalten arbeiten in der örtlichen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung im Justizvollzug zusammen. Ziel ist, Gefangenen Kenntnisse und Fertigkeiten für Leben und Beruf zu vermitteln und ihre individuelle und gesellschaftliche Gleichstellung zu fördern. 
1975
Gründung des VHS-Filmstudios, aus dem das heutige Filmforum Höchst entsteht.
Der Höchster Bund für Volksbildung zieht ins Bildungs- und Kulturzentrum Höchst (BiKuZ), das Höchster Volksbildungsheim wird abgerissen.
1976 „Das Amt für Volksbildung entsteht“
Die Stadt Frankfurt übernimmt die Volkshochschulen Höchst und Frankfurt und das Seminar für Politik und gliedert sie zeitweise zusammen mit der Stadtbücherei in das Amt für Volksbildung im Kulturdezernat ein.
Träger von TAT, Volksbühne und dem neuen Aufgabenbereich „Kulturelle Aktivitäten“ wird die „Frankfurter Bund für Volksbildung GmbH“. Der Frankfurter Bund für Volksbildung e.V. besteht weiter.
Beginn von Bildungsurlaubs-Lehrgängen. Das Recht auf Bildungsurlaub war am 1. Januar 1975 in Hessen in Kraft getreten, bezahlter Bildungsurlaub galt zunächst nur für unter 25-jährige Arbeitnehmer/-innen.
1977
Das Amt für Volksbildung wird dem Schuldezernat unterstellt.
1978
Erstmalig werden VHS-Kurse zur Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss angeboten. Bald darauf folgen Vorbereitungskurse für den Realschulabschluss.
1979
Die Volkshochschule geht mit ihrem Kursangebot vermehrt in die Stadtteile. Gleichzeitig werden nach und nach wohnortnahe Stadtteilzentren mit pädagogischem Personal vor Ort eingerichtet, diese bleiben bis Ende 2004 bestehen.

Bis 1975 entstehen an der VHS 13 Frauen-Foren in sieben Stadtteilen und ein weiteres in der Justizvollzugsanstalt Preungesheim.